Licht und Schatten auf dem Coburger Ausbildungsmarkt

Zum Beginn des Ausbildungsjahres Anfang September zeigt sich im IHK-Bezirk Coburg ein ambivalentes Bild: Erfreulich ist das Plus von 2,5 Prozent im Vergleich zum vergangenen Jahr bei der Zahl der neu eingetragenen Ausbildungsverträge, insgesamt wurden 619 Verträge abgeschlossen (im Jahr 2021: 604). Zuwächse kommen vor allem aus den Bereichen der Industrie-, Einzelhandels- und Bankkaufleute sowie der Polsterer. Allerdings hat sich die Schere zwischen Ausbildungsangeboten und Bewerbern noch weiter geöffnet: Für 554 gemeldete Bewerber (ein Minus von 6,6 Prozent zum Vorjahr) standen 1.160 Lehrstellen (ein Plus von 7,0 Prozent) zur Verfügung. „Die Angebots-Nachfrage-Relation hat sich weiter zu Gunsten der Ausbildungsplatzsuchenden entwickelt, rein rechnerisch sind für jeden Interessenten 2,1 Ausbildungsstellen im Angebot“, erläutert Rainer Kissing, Leiter des Bereichs berufliche Bildung der Industrie- und Handelskammer zu Coburg.

Derzeit sind 181 Bewerberinnen und Bewerber noch unversorgt, zugleich sind 477 Ausbildungsstellen bislang unbesetzt, vor allem in der Polstermöbelbranche und der Gastronomie. Auch im Beruf des Verfahrensmechanikers gibt es noch viele freie Stellen. Bis Dezember ist der Ausbildungsbeginn möglich, die noch unversorgten Jugendlichen haben also gute Chancen, noch eine passende Lehrstelle in der Region zu finden. Die beliebtesten gewerblich-technischen Ausbildungsberufe sind: Industriemechaniker, Elektroniker, Fachinformatiker, Mechatroniker sowie Werkzeugmechaniker. Die Favoriten bei den kaufmännischen Ausbildungsberufen sind: Kaufleute für Versicherung, Industriekaufleute, Kaufleute für Büromanagement, Verkäufer sowie Kaufleute im Einzelhandel. Im Coburger IHK-Bezirk bilden 317 Unternehmen unterschiedlicher Branchen und Größen in 80 gewerblich-technischen und kaufmännischen Berufen aus.

„Die Ausbildungsbereitschaft unserer Unternehmen ist ungebrochen groß, selten haben die Betriebe größere Anstrengungen unternommen, geeignete Auszubildende zu finden“, betont IHK-Präsident Dr. Andreas Engel. Die duale Berufsausbildung eröffnet für Real- und Mittelschüler, aber auch für Absolventinnen und Absolventen von Fachoberschulen und Gymnasien beste Beschäftigungsperspektiven und Karrierechancen, denn Aufgabenvielfalt und Komplexität in der Berufswelt steigen und damit auch der Anteil hoch anspruchsvoller Ausbildungen. Dennoch haben die Unternehmen immer größere Probleme ihre Ausbildungsstellen zu besetzen, manche Betriebe erhalten auf ihre Ausschreibungen keine einzige Bewerbung. Der Nachwuchs- und Fachkräftemangel zählt heute zu den größten Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung. „Wir brauchen in Politik und Gesellschaft dringend wieder mehr Wahrnehmung und Wertschätzung für die duale Berufsausbildung“, appelliert IHK-Präsident Dr. Engel.

Die Schwierigkeiten bei der Besetzung von Lehrstellen waren in der Vergangenheit je nach Branche und Region unterschiedlich stark ausgeprägt. Mittlerweile zeigt sich dieses Bild in nahezu allen Branchen und Regionen. Ausschlaggebend für den Rückgang der Bewerberzahlen sind insbesondere die Auswirkungen der demografischen Entwicklung und die zunehmende Akademisierung: Während die Zahl der Schulabsolventen jährlich weiter sinkt, drängen immer mehr in die Hochschulen und Universitäten. Im Jahr 2020 gab es in Deutschland zum ersten Mal mehr Studien- als Berufsanfänger – ein fatales Ungleichgewicht.

In den zurückliegenden Corona-Jahren kam erschwerend hinzu, dass aufgrund der Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie die Angebote zur Berufsorientierung massiv zurückgefahren oder ganz eingestellt werden mussten. „Fehlende berufliche Orientierung hat die Unsicherheiten und unklaren Berufsvorstellungen vieler Jugendlicher verstärkt“, so Rainer Kissing. Aus seiner Sicht haben die Jahre 2020 und 2021 den hohen Stellenwert der beruflichen Orientierung in besonderem Maße verdeutlicht: „Weniger Berufsorientierung führt zu weniger geeigneten Bewerbungen – und damit zu weniger Auszubildenden.“ Erst in diesem Jahr war es wieder möglich, die IHK-Berufsbildungsmesse in Präsenz zu veranstalten und auch die „Zeig dich“-Tour konnte wieder an den Start gehen. Nach zweijähriger Zwangspause waren auch die „Azubi-Scouts“ wieder unterwegs, um an den Schulen in Präsenz für die duale Berufsausbildung zu werben. Unsere Unternehmen wissen um den hohen Stellenwert der Berufsorientierung und werden ihr Engagement in diesem Bereich weiter ausbauen, zum Beispiel mit Schülerpraktika, Azubi-Speed-Datings, Kooperationen mit Schulen und Tagen der offenen Tür.

IHK-Nachvermittlungsaktion

Am Donnerstag, 6. Oktober, findet für noch unversorgte Jugendliche die gemeinsame Nachvermittlungsaktion von IHK zu Coburg, Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg, Handwerkskammer für Oberfranken und Berufsschule I statt. Weitere Informationen dazu gibt es bei der IHK zu Coburg unter Telefon 09561/7426-29.

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